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Wissenschaft trifft Praxis

Optimierte Aufbereitung im Universitätsklinikum Aalborg

Dr. Weigert - Wissenschaft trifft Praxis: Optimierte Aufbereitung im Universitätsklinikum Aalborg

Wie lassen sich Reinigungsprozesse in der Medizinprodukte-Aufbereitung von Anfang an optimal gestalten? Im Rahmen der Inbetriebnahme der neuen Aufbereitungseinheit Medizinprodukte (AEMP) des Universitätsklinikums in Aalborg wurden verschiedene Verfahren und Produkte wissenschaftlich untersucht und bewertet. Im Interview berichtet die Wissenschaftlerin Karin Bundgaard über die Hintergründe des Projekts, die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit und die Erkenntnisse, die zur Optimierung der Aufbereitungsprozesse beigetragen haben.

update: Frau Bundgaard, was hat das Universitätsklinikum Aalborg dazu veranlasst, neue Ansätze in der Instrumentenaufbereitung zu prüfen?

Karin Bundgaard: Der wichtigste Auslöser war der Umzug in ein vollständig neues Krankenhaus. Damit entstand auch eine neue AEMP. Alles war neu: die Reinigungs- und Desinfektionsgeräte, die Sterilisatoren, die Arbeitsabläufe und die räumliche Gestaltung. Bevor diese Prozesse in den klinischen Alltag überführt werden konnten, mussten alle Schritte validiert werden, um sicherzustellen, dass die Aufbereitung chirurgischer Instrumente höchsten Anforderungen an Qualität, Patientensicherheit und regulatorischen Vorgaben entspricht. Da wir die Möglichkeit hatten, die Prozesse von Grund auf neu zu gestalten, wollten wir zunächst untersuchen, welche Verfahren und Produkte die beste Reinigungsleistung bieten, bevor die formale Validierung durchgeführt wurde.

update: Welche Rolle haben Sie persönlich während der Testphase von neodisher® MediClean advanced übernommen und welche Aspekte waren Ihnen besonders wichtig?

Karin Bundgaard: Ich bin Wissenschaftlerin und beschäftige mich seit rund zehn Jahren mit der Wissenschaft der Sterilgutaufbereitung. Im Rahmen unseres Forschungsprogramms „Sterile Science“ haben wir wissenschaftliche Methoden entwickelt, um die Reinigungsqualität und die Leistungsfähigkeit von Reinigungs- und Desinfektionsgeräten zu bewerten. Wir erkannten schnell, dass sich diese Methoden auch hervorragend für die klinischen Tests und die Validierung der neuen Anlagen im Universitätsklinikum Aalborg eignen würden. Die AEMP befand sich in einer einzigartigen Situation, da sie komplett neu aufgebaut wurde. Vor der Validierung der Geräte wollte das Team herausfinden, welche Reinigungsprozesse tatsächlich den größten Nutzen bieten. Deshalb wurden wir eingeladen, das Projekt wissenschaftlich zu begleiten. Es war eine echte Partnerschaft. Das Team der AEMP brachte umfangreiche praktische Erfahrung und ein tiefes Verständnis der Arbeitsabläufe ein, während wir die wissenschaftliche Methodik bereitstellten: Was wird gemessen? Wie wird gemessen? Und wie werden die Ergebnisse bewertet? Unser Ziel war es, die höchstmögliche Reinigungsqualität zu erreichen, gleichzeitig die Effizienz zu steigern und manuelle Arbeitsschritte zu reduzieren. Deshalb untersuchten wir verschiedene Einflussfaktoren, darunter die Ultraschallreinigung, die Beladung der Wagen, die Reinigungsprogramme sowie die Frage, ob der Einsatz von neodisher® MediClean advanced die Reinigungsergebnisse weiter verbessern kann.

update: Welche Faktoren sind Ihrer Ansicht nach entscheidend, wenn Krankenhäuser neue Aufbereitungsprozesse oder Produkte bewerten?

Karin Bundgaard: Der wichtigste Erfolgsfaktor ist die Zusammenarbeit. Erfolgreiche Projekte bringen Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen. Das Team der AEMP kennt die täglichen Abläufe, die Logistik und die praktischen Herausforderungen. Forschende liefern wissenschaftliche Methoden, die objektive und nachvollziehbare Entscheidungen ermöglichen. Ebenso wichtig ist eine starke Führung. Die aktive Unterstützung durch den AEMP-Leiter Thomas Rendal war entscheidend, um sowohl das Management einzubinden als auch den Projektfortschritt sicherzustellen. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit der Industrie von großem Wert. Hersteller verfügen über umfangreiches Wissen zu ihren Produkten und können wertvolle technische Unterstützung bei der Optimierung von Reinigungsprozessen leisten.

update: Welche Ergebnisse wurden erzielt?

Karin Bundgaard: Die Tests vor der eigentlichen Validierung ermöglichten es, die Reinigungsprozesse gezielt zu optimieren. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden folgende Maßnahmen eingeführt:

  • Ein 30-sekündiger manueller Vorspülschritt vor der Ultraschallreinigung beziehungsweise vor der automatisierten Reinigung und Desinfektion
  • vier Minuten Ultraschallreinigung, soweit dies gemäß den Herstellerangaben zulässig ist. Bestimmte Instrumente, beispielsweise HALL-Geräte und Spannfutter, sind hiervon ausgenommen
  • die Beladung mit drei Gestellen pro Ebene
  • der Einsatz von neodisher® MediClean advanced als Reinigungsmittel

Gemeinsam führten diese Anpassungen zu einem äußerst effizienten Reinigungsprozess mit hervorragender Reinigungsleistung und gleichzeitig hohem Durchsatz in der AEMP.

update: Welche Bedeutung hat die enge Zusammenarbeit zwischen Anwendern, Forschung und Industrie in Projekten dieser Art?

Karin Bundgaard: Sie ist unverzichtbar. Keine der beteiligten Gruppen kann allein das bestmögliche Ergebnis erzielen. Die Anwender kennen die klinische Realität und die täglichen Abläufe. Forschende bringen objektive Prüfmethoden und wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen ein. Die Industrie liefert detailliertes Wissen über Produkte und deren optimale Anwendung.

In unserem Projekt war insbesondere die Zusammenarbeit mit der Industrie sehr wertvoll. Jakob Andersen von Dorte Egelund ApS leistete einen wichtigen Beitrag, indem er sein umfassendes Wissen über neodisher® MediClean advanced, dessen Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Reinigungsprozessen einbrachte.

Durch die Kombination dieser Perspektiven entstehen Entscheidungen, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch praktisch umsetzbar sind. Das schafft eine robuste Validierung, erleichtert die Implementierung und trägt letztlich zu einer sichereren und effizienteren Aufbereitung von Medizinprodukten bei.

update: Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Zukunft der Medizinprodukte-Aufbereitung?

Karin Bundgaard: Ich wünsche mir, dass die Aufbereitung von Medizinprodukten künftig noch stärker wissenschaftlich fundiert erfolgt. Heute basieren viele Entscheidungen noch auf Traditionen oder lokalen Erfahrungen. Ich würde gerne sehen, dass mehr Krankenhäuser wissenschaftliche Methoden nutzen, um ihre Reinigungsprozesse bereits vor der Einführung gezielt zu optimieren und zu validieren.

Außerdem erwarte ich einen zunehmenden Einsatz digitaler Überwachungssysteme, Automatisierung und datenbasierter Qualitätssicherung. Dadurch können Prozesse kontinuierlich überwacht und verbessert werden, anstatt sich ausschließlich auf periodische Validierungen zu verlassen.

update bedankt sich herzlich für das Interview und die spannenden Einblicke hinter die Kulissen.

Autor, Autorin

Das Interview führte Linda Heitplatz
(Produktmanagement Private Label / Marketing).

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