DEGEA live:Informativer Anhang 2 zur neuen KRINKO-Empfehlung – Die Problematik der endokavitären Ultraschallsonden
Dr. Weigert Webinar
Am 21. Mai 2025 fand ein Webinar zur neuen KRINKO-BfArM-Empfehlung und dem informativen Anhang 2 statt. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen und Lösungen bei der hygienischen Aufbereitung von endokavitären Ultraschallsonden. Die Referenten Heike Martiny (Technische Hygiene, Berlin) und Klaus Wiese (Leitung AEMP St.-Johannes-Hospital Dortmund) beleuchteten sowohl die regulatorischen Anforderungen als auch die praktische Umsetzung im Klinikalltag – mit besonderem Fokus auf die Bedürfnisse des Endoskopiefachpersonals.
Schon zu Beginn machte Frau Martiny deutlich, wie groß der Handlungsbedarf ist: In 57 % der untersuchten Kliniken wurden makroskopische Kontaminationen an Ultraschallgeräten festgestellt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit klarer und validierter Aufbereitungsprozesse. Sie betonte, dass der informative Anhang 2 der KRINKO-BfArMEmpfehlung zwar wichtige Hinweise liefert, aber keine offizielle Empfehlung im Sinne des Infektionsschutzgesetzes (§ 23 IfSG) darstellt.
Frau Martiny erläuterte die Einteilung der Ultraschallsonden in Risikoklassen:
„Die Validierung und Requalifizierung der Aufbereitungsprozesse muss durch qualifizierte Fachkräfte erfolgen“, unterstrich sie und verwies auf die Verantwortung des Betreibers. Die Sachkenntnis ist nachzuweisen und vom Betreiber festzulegen. Für die Aufbereitung ist eine entsprechende Zertifizierung erforderlich.
Hier knüpfte Herr Wiese an und stellte die praktische Umsetzung in den Mittelpunkt: Für „Semikritisch A“ kann auf eigene Aufbereitungsräume verzichtet werden, sofern im Untersuchungsraum oder in einem separaten Bereich eine klare Zonentrennung (unrein, rein, Lagerung) geschaffen wird. Bei komplexeren Sonden „Semikritisch B“ können Sondenschutzhüllen die Aufbereitung erleichtern, ersetzen aber keine validierten Verfahren. Herr Wiese betonte die Bedeutung des Arbeitsschutzes: Die Anforderungen an den Arbeitsschutz ergeben sich aus der TRBA 250. Betriebsanweisungen zu den verwendeten Prozesschemikalien sind einzuhalten und im Hygieneplan sowie in den Arbeitsanweisungen zu dokumentieren.
Der Transport zum Aufbereitungsbereich muss so erfolgen, dass eine Kontamination der Umgebung verhindert wird. Die Vorreinigung findet direkt nach der Untersuchung am Untersuchungsplatz statt. Wurde eine Sondenschutzhülle verwendet, wird diese sofort entfernt und die Sonde mit einem flusenfreien Einmaltuch abgewischt. Besonderes Augenmerk gilt der Entfernung von Ultraschallgel, Körpersekreten und organischem Material, um eine Antrocknung zu vermeiden – insbesondere bei geometrisch komplexen Oberflächen, Rillen und Fugen.
Die Validierung der manuellen und maschinellen Verfahren bleibt eine Herausforderung. Für viele Wischreinigungsverfahren fehlen bislang unabhängig überprüfte und qualifizierte Methoden. Die Prüfung der Reinigungs- und Desinfektionsleistung erfolgt teils durch Typprüfungen der Hersteller, teils durch eigene Methoden beim Betreiber. Für die Überprüfung der Einhaltung von Grenzwerten bei Reinigungs- und Desinfektionsmittelrückständen sind entsprechende Anleitungen und analytische Methoden vom Hersteller bereitzustellen.
Zum Abschluss des Webinars fand eine lebhafte Diskussionsrunde zwischen den beiden Referenten und Ulrike Beilenhoff, Vorsitzende der DEGEA, statt. Zahlreiche Fragen aus dem Publikum wurden über den Chat gestellt, von den Moderatoren Marcel Jung und Guido Merk aufgegriffen und in der Diskussionsrunde beantwortet. Die Interaktion zeigte, wie groß das Interesse und der Bedarf an praxisnahen Lösungen in diesem sensiblen Bereich ist.
Das Webinar machte deutlich, dass die Umsetzung der neuen KRINKO-Empfehlung eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert. Die Standardisierung und Validierung der Aufbereitungsprozesse – insbesondere der manuellen Verfahren – bleibt eine zentrale Herausforderung. Die praxisnahen Empfehlungen von Frau Martiny und Herrn Wiese bieten wertvolle Orientierung für das Endoskopiefachpersonal und unterstützen die sichere und effektive Aufbereitung im Arbeitsalltag.
Die Reinigung erfolgt mit einem mit Reinigungsmittel getränkten, flusenfreien Einmaltuch. Für eine erfolgreiche Reinigung ist die gesamte Sonde inklusive Kontrollbereich und Kabel zu behandeln. Hilfsmittel wie Bürsten, Tupfer, Spatel oder Spritzen können helfen, schwer zugängliche Bereiche zu erreichen. Die Wirksamkeit des Reinigungsprozesses ist bei jeder Sonde optisch, ggf. mit einer Lupe, zu kontrollieren. Nach der Reinigung ist eine Zwischenspülung obligatorisch, um Rückstände von Reinigungsmitteln zu entfernen. Die Desinfektion erfolgt anschließend mit einem mit Desinfektionsmittel getränkten Tuch. Für eine ausreichende Desinfektion muss an allen Stellen – auch verdeckten, in Hohlräumen, Rillen und rauen Oberflächen – das desinfizierende Agens in ausreichender Konzentration und Einwirkzeit vorhanden sein. Benetzungslücken müssen ausgeschlossen werden. Nach Abschluss der Desinfektion ist eine Schlussspülung mit mikrobiologisch einwandfreiem Wasser erforderlich. Die Lagerung der Sonde erfolgt kontaminationsgeschützt bis zur nächsten Anwendung.
Für die maschinelle Reinigung und Desinfektion stehen verschiedene Prozesse zur Verfügung, insbesondere für Sonden, die für die maschinelle Aufbereitung geeignet sind. Hierzu zählen thermische und chemothermische Verfahren im RDG/ RDG-E (Reinigungs- und Desinfektionsgeräte). Die Auswahl des Verfahrens richtet sich nach den Herstellerangaben und den baulichen Eigenschaften der Sonde.
Neben den klassischen Verfahren werden auch innovative Methoden wie die Desinfektion mittels Wasserstoffperoxid (H₂O₂) und UV-C-Bestrahlung diskutiert. Diese Verfahren können insbesondere für empfindliche oder komplexe Sonden eine Alternative darstellen. Die Desinfektionsleistung wird dabei entweder durch Typprüfung des Herstellers oder durch eigene Methoden beim Betreiber überprüft. Wichtig ist, dass auch bei diesen Verfahren die vollständige Benetzung und Einwirkzeit sichergestellt werden.