Edelstahloberflächen im Praxisvergleich
BAADER ist ein familiengeführtes Maschinenbauunternehmen aus Lübeck (gegründet 1919) und entwickelt Maschinen sowie Verarbeitungslinien für die Lebensmittelindustrie – insbesondere für Fisch- und Geflügelverarbeitung. Schon 1922 setzte BAADER einen frühen Maßstab in der Fischverarbeitung mit der Vorstellung der weltweit ersten Köpf- und Entgrätungsmaschine.
Gleiche Belastung, gleicher Ablauf – nur die Oberfläche variiert. Vom Labor bei Dr. Weigert bis zum Hersteller von Lebensmittelmaschinen BAADER in Lübeck: Ein Bericht über die Zusammenarbeit zweier Unternehmen, die auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte haben.
Unterschiedliche Edelstahlstrukturen sehen oft gleich aus – bis sich im Reinigungsprozess zeigt, wie gut oder schlecht sie zu reinigen sind. In der Lebensmittelverarbeitung geht es dabei um mehr als ‚nur sauber‘: Wenn Oberflächen sich schwer reinigen lassen, kostet es Zeit, macht Abläufe anfälliger und erhöht das Risiko von Rückständen. Deshalb lohnt sich ein nüchterner Praxistest: Was bedeutet eine bestimmte Oberflächenbearbeitung im Alltag wirklich? Und lässt sich anhand dieser ein Einfluss auf die Reinigungsleistung messen?
Wenn in Norwegen Lachse filetiert oder in Brasilien Geflügel verarbeitet werden, steckt oft Technologie aus Lübeck dahinter. Seit über einem Jahrhundert prägt das Familienunternehmen BAADER die industrielle Lebensmittelverarbeitung mit Maschinen, die Präzision und Zuverlässigkeit vereinen.
Herausfordernder Maschinenbau mit seinen bewegenden, messenden und schneidenden Konstruktionselementen trifft anspruchsvolle Hygiene: In der Lebensmittelbearbeitung treffen sie sich jedoch an einem Punkt, der beides verbindet – an der Oberfläche.
Denn erst im praktischen Einsatz zeigt sich, ob Bauteile aufgrund ihrer Oberflächenstruktur tatsächlich leicht zu reinigen sind – und zwar weltweit, unter Anwendung unterschiedlichster Reinigungsmittel, Wasserqualitäten, Temperaturen und zeitlicher Bedingungen im Sinne des Sinnerschen Kreises.
Genau hier beginnt die praktische Fragestellung: Kann die erzeugte Struktur einer Edelstahloberfläche die Reinigungsleistung beeinflussen? Auf den ersten Blick wirkt das unspektakulär und wenig praxisrelevant – doch in Produktionsumgebungen mit engen Zeitfenstern kann genau das entscheidend sein. Denn nur wenn die Reinigung zuverlässig funktioniert, bleiben Prozesse stabil und Ausfälle werden vermieden.
Um die Fragestellung zuverlässig zu prüfen, entwickelten BAADER und Dr. Weigert gemeinsam einen praxisnahen und normorientierten Untersuchungsansatz. Dafür haben die Unternehmen verschiedene Strukturen von Edelstahloberflächen (glatt gewalzt, strahlgeschnitten und geschliffen) ausgewählt, die von BAADER bereitgestellt und anschließend von Dr. Weigert mit einer definierten mikrobiellen Belastung versehen wurden. Im nächsten Schritt wurden die Proben eine Minute lang ausschließlich mit Wasser gereinigt.
Der Einsatz von Wasser statt eines Reinigungs- oder Desinfektionsmittels war bewusst gewählt: Ziel war nicht die vollständige Keimreduktion, sondern ein belastbarer Vergleich zwischen den Oberflächenstrukturen. Nur so lassen sich Unterschiede in der Reinigbarkeit zuverlässig feststellen.
Die Untersuchung verdeutlicht, welchen Wert es hat, technische Lösungen und hygienisches Fachwissen zusammenzuführen. Gerade weil relevante Fragen oft im Kleinen verborgen liegen, schafft die gemeinsame Betrachtung Sicherheit für den Alltag: verlässliche Reinigbarkeit, stabile Abläufe und damit die Grundlage für sichere Lebensmittel weltweit. Das Ergebnis zeigt, dass dort die besten Lösungen entstehen, wo unterschiedliche Erfahrungen zusammenwirken und Wissen sich ergänzt.
Wir bedanken uns bei Herrn Vogel, Herrn Rusko, Herrn Meyer und Frau Westphal für den spannenden Einblick in die BAADER-Foodprocessing-Welt und freuen uns auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit. Vor Ort von der Firma Dr. Weigert waren Eren Dönmez (Vertrieb neomoscan national), Christine Lach (Mikrobiologie), Aljoscha Hoitz (Forschung und Entwicklung) und Chiara Marie Finke (Produktmanagement/Marketing).
Im Foyer bei BAADER steht bis heute eine historische BAADER-Maschine, die eindrucksvoll zeigt, wie Maschinenbau vor Jahrzehnten gedacht und umgesetzt wurde. Zahlreiche kleine Bauteile, Verschraubungen und Gelenke fügen sich zu einem hochpräzisen, mechanisch geprägten System zusammen.
Jede Funktion war bis ins Detail durchdacht, jede Komponente sorgfältig gefertigt. Gleichzeitig macht diese Maschine deutlich, wie stark sich Konstruktion und Anforderungen im Laufe der Zeit verändert haben. Von heutigen Filetiermaschinen unterscheidet sie sich grundlegend – insbesondere im Hinblick auf Konstruktion und Reinigbarkeit. Hygienic Design, wie es heute selbstverständlich ist, spielte damals kaum eine Rolle. Mit der Zeit hat sich dieser Blickwinkel deutlich gewandelt: Moderne Anlagen unterscheiden sich nicht nur technologisch von ihren Vorgängern, auch Hygiene ist heute ein zentrales Konstruktionskriterium.
Chiara Marie Finke,
Produktmanagerin neomoscan®